Reparatur von Wandervogellauten


Seit einigen Jahren habe ich sehr viele Wandervogellauten oder „Zupfgeigen“ in Händen gehabt oder repariert, so dass ich im Laufe der Arbeit etliche Hilfsmittel erfunden, gebaut oder nachgeahmt habe, von denen ich heute berichten will. Wandervogellauten sind die sechssaitigen Gitarren mit Bünden mit Wirbelbrett oder Wirbelkasten, deren typischstes Charakteristikum der aus mehreren Spänen gebildete Bauch ist (Bild 1), der der Laute der Renaissance nachempfunden ist.

Sehr häufig ist auch ein Modell b, das einen zunächst senkrecht zur Decke stehenden Zargenkranz hat, der dann von einem nur leicht gebauchten „Deckel“ aus mehreren Spänen geschlossen wird (Bild 2).


Charakteristisch sind auch das nach vorne gebogene Kopfstück des Wirbelkastens und die sehr oft filigran verzierten geschnitzten oder ausgesägten Schall-Loch-Verzierungen.


Die häufigsten Beschädigungen bei den bis etwa 100 Jahre alten Instrumenten sind:

Risse zwischen den Spänen, Späne getrennt und verformt, nebeneinander liegende Späne haben dabei völlig verschiedene Wölbungen bekommen,

gerissene Späne,

Risse in der Decke,

Randeinlage locker, getrennt von der Decke oder im Schall-Loch nicht mehr anliegend,

gebogener Kopf gebrochen,

Bundstäbchen locker, hoch stehend, nach Schrumpfen des Halses in der Breite überstehend und die gleitende Hand des Spielers kratzend

Spindeln der Mechanik meist durch Stürze verbogen,

Steg durch Zug hoch gebogen, von der Decke teilweise oder ganz abgeglöst,

Steg in Längsrichtung durch den Zug der Pins durchgehend gerissen,

Hals zum Instrument hin verbogen. (Nur mit immensem Aufwand zu korrigieren)


Ein Hauptproblem ist die zum Bearbeiten nötige Fixierung des Instruments. Dazu habe ich eine alte Holzschublade mit Bauschaum/ Montageschaum gefüllt und vor dem Erstarren eine in Plastikfolie eingehüllte Laute mit typischer Bauchform in die Masse gedrückt, so dass der Bauschaum sich an die Form anschmiegt. Eine in der Zentralachse angebrachte Leiste zur Verlängerung der Konstruktion (mit Loch zum platzsparenden Aufhängen) und ein loses mit Filz gepolstertes Stück Kantholz halten den Hals, 4 Füße unter der Schublade ermöglichen den Einsatz der Zwingen, eine gepolsterte Leiste ermöglicht Druckausübung über die ganze Breite (beispielsweise um einen Steg wieder anzuleimen, alles in Bild 3.)

Im Bild 4 ist außerdem vorne ein Stück Bohle zu sehen, das bei den leicht gewölbten Lauten (Modell b) nur nahe am Hals und unten am Zargenrand aufliegt. Es wird vor allem benötigt, um die Späne, die sich oft nur unten von der Zarge abgelöst haben, anzudrücken, ohne auf die Späne in der Mitte des leicht gewölbten Bauches gefährlichen Druck auszuüben.

Bei der Reparatur soll die Decke zusammengedrückt werden, um zum Beispiel Deckenrisse durch in sie geriebenen und gedrückten Leim zu schließen (sicher die am meisten behelfsmäßige Maßnahme zum Schließen der Risse). Durch den tropfenförmigen Umriss des Instruments bedingt ist es sehr schwer, die Decke senkrecht zur Fläche mit den abrutschenden langen Zwingen kräftig zusammen zu drücken. Bild 5 und 6 zeigen eine Konstruktion, bei der Einschnitte in den Rand Winkel bilden, die nach dem gegenüberliegenden Verlauf des Umrisses ausgerichtet sind, so dass sich Klemmbacken parallel gegenüberstehen können. Besonders auch das Andrücken der Randeinlage-Streifen wird so vereinfacht.


Bild 7 zeigt Holzteile, die in Bild 3 eingesetzt sind. Oft will man mit Klemmdruck die Zarge ganz unten in der Achse des Instruments gegen die Decke pressen. Da man selten Zwingen von 1 Meter Länge einsetzen möchte, erlaubt der so entwickelte Querriegel das Ansetzen einer bedeutend kürzeren Zwinge. Auch das linke untere halbkreisförmige Teil (Bild 7) wird in das Schall-Loch gesetzt, falls dieses offen ist, und erlaubt das Ansetzen einer nicht abrutschenden Zwinge zwischen Schall-Loch und unterem Rand.

Die raffinierteste Konstruktion ist aber in den Bildern 8, 9 und 10 zu sehen. Feste oder elastische Leisten aus Holz oder Kunststoff dienen dazu, das auf den Boden gelegte Instrument zwischen den im Baldachin vorgerieften Rillen und der gewünschten Stelle der Instrumentenmuschel einzuklemmen, um mit Druck die Späne in die Stellung zu bringen, die man zur perfekten Reparatur braucht.


Bild 11 zeigt einen dreiflügeligen Spiegel, der durch ein Scharnier aus Klebeband ganz klein gefaltet werden und dann durch das Schall-Loch ins Innere des Instruments geschoben werden kann. Außerdem ist die gepolsterte Leiste für die ganze Breite der Decke zu sehen.


Noch ein Wort zu den Rissen in der Decke. Anders als heute sind die Decken nicht aus Sperrholz, sondern massiv. Sie reißen mit den Jahrzehnten. Die aufwendigste Möglichkeit, sie zu reparieren, die sich dennoch lohnt, ist, das Schall-Loch mit einem ganz dünnen Sägeblatt auszusägen so dass man mit der Hand durch es hindurch auf die Rückseite der Risse dünne gesperrte Holzplättchen leimen kann. Das ist eine sehr gute Methode. Die Fuge bleibt in der Regel sichtbar.