Zwei Beispiele für trickreiche Restaurierungsarbeiten an einer Wandervogellaute


1. Ausbau und Wiedereinbau des geschnitzten Schalllochs


A. Die meisten Wandervogellauten haben ein aus der Decke geschnitztes Schallloch mit filigranen Stegen und Durchbrüchen. Oft sind diese durch die Spannungen des Holzes eingerissen, wobei sich die vorhandenen Stege von der Bruchstelle weg verbiegen und entfernen, oder sie sind in zwei Teile durchgerissen oder an einigen Stellen von der Decke, aus der sie geschnitzt sind, durch Riss getrennt. Man kann diese Verzierungen reparieren, indem man leimt und dabei

  1. ein entsprechendes Gewicht mit präziser Druckausübung auf den hoch stehenden Steg aufsetzt;

  2. einen spitzen Gegenstand von seitwärts unter den nach unten abstehenden Steg schiebt und ihn hebelartig das Holz anheben lässt (den Winkel des spitzen Werkzeugs fixiert man durch Klebeband auf der Decke),

  3. den nach unten abstehenden Steg mit einem kleinen Haken anhebt und während des Abbindens mit einem daran angebrachten Gummiband, das z.B. an der Decke befestigt ist, mit dosiertem Zug nach oben zieht. (Foto 1)

Man kann aber auch das ganze Schallloch aussägen, wozu ich extrem dünne flache Sägeblätter irgendwo im Werkzeugbedarf gefunden habe, mit denen ich durch Schieben zwischen Daumen und Zeigefinger die Verbindungen zur Decke durchtrenne. Man schreckt vor dieser Operation meist zurück, muss aber bald feststellen, dass das ganze gar nicht so schwer ist. Dieses Heraustrennen geht natürlich nur dann, wenn die Verbindung zwischen Verzierung und Decke nur kleinflächig ist. Die beiden Fotos zeigen ein gutes und ein ungeeignetes Beispiel (Foto 2 und 3), allerdings gibt es auch im ersten Fall sehr viele Verbindungen zur Decke. Das Heraustrennen des Schalllochs hat den unschätzbaren Vorteil, dass man nun mit der ganzen Hand in den Bauch des Instruments langen kann und die meist gerissenen Späne von innen beim Leimen durch Keile usw. beeinflussen kann. Das Heraus-Sägen lohnt sich dann doppelt.

Die weitere Reparatur wird durch die Fotoserie bestens erklärt und zeigt Methoden, 1.um mit Blumendraht das Schallloch beim Leimen in der richtigen Position zu halten und

2. durch vorher angeleimte dünnste Sperrholzstücke (Kistchen von importierten Datteln) die Wiederanbringung zu erleichtern und sicherer zu machen.


B. Manche Schalllöcher sind vor dem Aufleimen der Decke auf die Muschel vorher als quadratische Holzplatte geschnitzt und von innen so aufgeleimt worden, dass von außen nur das runde Motiv durch die Schalllochöffnung erscheint. In einem Fall war die Verzierung völlig durchgebrochen, bestand also aus zwei Hälften, die aber von innen noch angeleimt waren. In diesem Fall kann man mit einem geeigneten Messer in die Fuge zwischen Decke und innen eingeleimtem Schallloch gehen, zwei Hälften heraustrennen, die man wegen der Halbierung auch gut aus dem Schallloch heraus ziehen kann. Nach Restaurierung des Schnitzwerks geht es wie oben weiter.


2. Zug ausüben an einem nach innen verbogenem Span


Das Foto zeigt die Ausgangsposition. Das Schallloch konnte nicht entfernt werden, ich wollte von außen auf die Verformung einwirken. Schließlich kam ich auf folgende Idee. Ich bohrte an der wirksamsten Stelle (Hebelwirkung) ein Loch in den Span (kleiner als 0,2 cm), führte einen Draht hindurch, den ich (mit Pinzette, Magnet, Häkelnadel usw.) aus irgendeiner Öffnung des Schalllochs fischte. An dieses Ende verdrillte ich einen Nagel (oder falls die Öffnung groß genug ist, eine große Mutter), steckte beides durch das Schallloch in den Bauch zurück, befestigte das Instrument unverrückbar auf der Werkbank und konnte nun am Draht so fest ziehen, dass sich der Span in die originale Lage wieder zurück bewegte und in dieser Position geleimt werden konnte. Das sehr kleine Loch wird später gefüllt und ist mit Mühe zu sehen. (Foto) Die ganze Drahtkonstruktion wird danach durch das Schallloch herausgefischt.